CABINS FROM HELL

So liebe Leute, 

heute gibt es eine nette Beschreibung von meinen zwei Wochen in Gatton.


Mit dem Greyhoundbus ging es Richtung Gatton. Nach einer Stunde Fahrzeit waren wir dann auch schon da. An der Bushaltestelle wurden wir von Tom empfangen. Er hatte zwar noch nie etwas von den Leuten gehört mit denen wir über Email und SMS geschrieben haben, noch wusste er  wieviele Leute er abholen sollte. Aber immerhin hatte er einen Van. Es waren zwar zu wenig Plätze im Auto vorhanden um alle Personen von A nach B zu transportieren, aber zweimal fahren ist ja auch kein Problem. Unser Ziel war das Office. Dort füllten wir ein Formular aus, welches als “Vertrag” bezeichnet wurde. Danach redeten wir noch ein bisschen mit Mayla, ihrem Ehemann und ein paar Arbeitern, welche uns ein bisschen über den Tagesablauf und den Arbeitsalltag berichteten.


Nach dem alles unter Dach und Fach gebracht wurde, stellen wir zum zweiten Mal fest, dass wir zu wenig Plätze im Auto hatten. Darauf hin wurden wir gefragt ob denn jemand von uns einen Führerschein besitzte. Da ich keinen dieser superschrottigen Vans fahren wollte, schwieg ich. Meine erste Linksverkehrerfahrung wollte ich dann doch nicht mit einem Auto machen, bei dem der erste Gang nicht funktioniert. Naja eine andere Deutsche traute sich und so ging es mit einem Zwischenstopp bei Coles (einem Supermarkt) zu den Cabins.

Unter den Cabins kann man sich riesige Wohnwagen vorstellen. Ähnlich wie ein Container. Diese sind in zwei “Wohneinheiten” unterteilt. So leben auf der einen Seite fünf Leute und auf der anderen ebenfalls. Zu fünft teilt man sich dann ein Bad, eine Küche und eine kleine Sitzecke. Wir hatten Glück und mussten uns unser neues Zuhause mit maximal einer weiteren Person teilen. (Außer in den letzten Tagen wo wir noch mal umziehen mussten) 


In den Cabins ließ es sich eigentlich ganz gut leben. Dadurch, dass wir die meiste Zeit zu zweit waren hatten wir immer genug Platz für uns. Man konnte gut kochen, auch wenn ab und zu der Gasherd mal aufgegeben hat. 


Gleich am Tag unserer Ankunft wurde uns erzählt, dass die ersten drei Tage Arbeit die schwierigsten sind. Bei uns war es vorallem der Erste. An jenem Tag durften wir nämlich Chilipflanzen pflanzen. Dabei ging es immer wieder in die Hocke, was man am Abend und den Tagen danach auch mächtig merkte. Alles schmerzte und man konnte sich nicht richtig bewegen. Geschweige denn ohne stöhnen ins Bett kommen. Achso und insgesamt haben wir zu zwölft 10.000 Pflanzen in den Boden gesteckt. Pro Setzling gab es dann ungefähr 4 Cent. Was uns nach 6 Stunden Arbeit dann um die 40 Dollar einbrachte.


Naja die nächsten Tage gab es dann vorallem Zwiebeln und Tomaten zu ernten. Ich könnte jetzt so viel über die einzelnen Tage erzählen, dass es vermutlich in einem Roman enden würde. Deshalb gibt es wieder einmal nur eine Zusammenfassung: 

1. Tag Zwiebeln – Zwiebeln gehen schlecht aus dem Boden, wir arbeiten zu viert, schaffen drei Bins 

2. Tag Zwiebeln – Sophia und ich schaffen einen Bin und dann geht es nach einem halben Tag Arbeit schon wieder zurück – keine Zwiebeln mehr da

3. Tag Zwiebeln – nach ca. eineinhalb Stunden Autofahrt kommen wir endlich zum Feld und dann heißt es, dass nicht genug Zwiebeln da sind. Wir füllen 12 Bins mit 34 Personen.


1. Tag Tomaten – noch voll motiviert. Schaffe 12 Buckets (Eimer). Verdiene damit 96 Dollar. Bester Verdienst in den zwei Wochen

2. Tag Tomaten – super unmotiviert. Erst fünf Eimer mit kleinen gelben Tomaten , was mein Motivationsproblem nicht gerade verbessert. Nach einer großen Pause noch drei Buckets mit größeren Cherri Tomaten.

3. Tag Tomaten – zu viele Leute auf dem Feld und zu wenig Tomaten. Dadurch wieder nur ein halber Tag Arbeit – 6 Buckets.


1. Tag Greenhouse – Nach dem unser Van an der Tankstelle nicht mehr so ganz dicht gehalten hat (die Tankflüssigkeit bildete eine große grüne Pfütze) kamen wir nach 5 Stunden nach dem aufstehen dann auch endlich mal auf der Farm an. Und dann heißt es ab ins Gewächshaus. Als wäre es nicht draußen schon warm genug. Mayla meinte ein Gewächshaus sei in drei Stunden mit vier Personen locker zu schaffen. Nach drei bis vier Stunden hatten wir dann die Hälfte fertig. Manche Leute waren schon am aufgeben. Doch unser Team wollte unbedingt weitermachen. Damit begonnen wir die zweite Hälfte und nach kurzer Zeit mussten auch wir uns eingestehen, dass der Körper das nicht mitmachen will. Also hissen auch wir die weiße Fahne. 

Die Arbeit im Greenhouse bestand übrigens darin, vertrocknete Gurkenpflanzen mit einem Messer/ einer Schere oder per Hand von ihrem haltgebenden Band und in der Luft hängenden Draht zu befreien. Die trockenen rauen Pflanzen brachten mir über mehrere Tage einen schönen Auschlag an den Armen. Glücklicherweise hatte ich ein langärmliges Hemd an. So ist nur ein bisschen was in den Ärmel gefallen. Ich war auch nicht die einzige die so extrem darauf reagiert hat. Viele von uns verspürten schon nach den ersten Minuten ein eher unangenehmes brennen auf der Haut. Sophias Kopf war am Ende feuerrot.  

Das schönste an der Zeit in Gatton waren wohl die Menschen. Durch einen gemeinsamen Feind namens Mayla und der Tatsache, dass wir alle das gleiche durchleben mussten war der Zusammenhalt gleich um einiges größer. Es wurde zusammen gelacht, geweint, gelästert und gefeiert. Auf jeden Fall hatten wir immer eine Menge Spaß. 

Fazit: Wenn wir eines gelernt haben hier in Gatton, dann ist das Geduld. Das auf der Unorganisiertheit beruhende Warten lehrte uns die Zeit sinnvoll zu vertrödeln und zwar bestenfalls mit einem Nickerchen.


Auch wenn ich auf einiges in diesen zwei Wochen hätte verzichten können, so möchte ich doch sagen, dass ich die Erfahrungen die wir in Gatton gemacht haben nicht missen möchte. Alles in allem brachte mir dieses kleine Abenteuer nämlich eine Menge Erzählmaterial.


Momentan bin ich wieder in Brisbane und erhole mich ein bisschen. (Übersetzt heißt das so viel wie: ich gammle eigentlich dem ganzen Tag nur im Hostel, im Park oder an der Lagune) In den nächsten Tagen geht es dann Richtung Rainbow Beach und Fraser Island um mal wieder etwas Neues zu entdecken. 

Bis demnächst!

Eure Suse ❤️

One thought on “CABINS FROM HELL

  1. Ach Suse, ich
    werde in Zukunft Tomaten und Zwiebeln noch mehr genießen!
    Jetzt wo ich weiß, dass sie dich dafür ausgebeutet haben.
    Auch Australien kann sich augenscheinlich nicht gegen den Kapitalismus erwehren;)
    Aber dein Durchhaltevermögen ist beachtlich!
    Schönen Gruß vom Tantchen!

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